Einleitung
Dies ist
eine Sammlung von Liebesliedern,
die als einzelne Dichtungen bereits vorlagen, ehe sie ein Redaktor zu einer
Sammlung zusammengestellt und mit redaktionellen Ergänzungen versehen hat. Über
die Grundsätze, nach denen der Redaktor die Lieder zusammengestellt hat, hat
eine ganze Anzahl von Forschern Hypothesen aufgestellt, aber keine ist si
schlüssig, dass sie sich in der Fachwelt hätte durchsetzen können. Aus
sprachlichen und inhaltlichen Gründen ist anzunehmen, dass die Redaktion in die
hellenistische Zeit fällt, also nicht vor dem späten 4. Jahrhundert v. Chr.
anzusetzen ist. Die Lieder selbst dürften nicht viel älter sein.
Den
Liedern fehlt jeder Bezug auf Gott oder auf Israels Erwählung. So kommt es zu
der weiteren Frage, warum dieses ganz weltlich- erotische Buch in den Kanon
aufgenommen worden ist. Die am nächsten liegende Antwort dürfte die sein, dass
Israels hochberühmter König Salomo als Dichter der Lieder genannt wird, der er
freilich nicht gewesen sein kann.
Es bleibt
eine ganze Reihe unklarer Stellen, vor allem im 3. Kapitel. Das liegt zum einen
daran, dass der Text mehrfach offensichtlich so verderbt ist, dass auch die
alten Übersetzungen nicht weiter helfen, zum andern daran, dass man bei der
Bedeutung gewisser Wörter auf Vermutungen angewiesen ist, da diese Wörter
anderweitig nicht nachweisbar sind.
Um das
Buch für die Synagoge und später für die Kirche nutzbar zu machen, griffen die
meisten Ausleger bis ins 19. Jahrhundert zur Allegorese, d.h. sie deuteten das
Verhältnis des Liebhabers zur Geliebten um in das Verhältnis Gottes zu seinem
Volk oder christlich auf das Verhältnis Jesu zur Kirche. Also: Gott liebt seine
Gemeinde so, wie ein Liebhaber seine Geliebte liebt. Diese Deutung wurde dann
auch verändert in das Verhältnis Jesu zur frommen Seele des Einzelnen. Gerade
bei letzterem spielt die Mystik eine Rolle.
In der Synagoge wird das Lied der Lieder am siebten Tag
der Pesachwoche gelesen. Im Neuen Testament erscheint weder ein Zitat noch auch
nur eine Anspielung auf das Lied der Lieder. Denn dass Joh 7,38 und OffbJoh
3,20 auf 4,15 bzw. 5,2 anspielen, ist höchst unwahrscheinlich.
Die Bezeichnung „Lied der
Lieder“ ist ein Semitismus, mit dem ein Superlativ ausgedrückt wird, also: das
höchste der Lieder.
Übersetzung
Ausgangstext dieser Übersetzung ist die Biblia Hebraica
Quinta Band 18, Stuttgart –Deutsche Bibelgesellschaft – 2004
1.Kapitel
(1)Lied der Lieder, das von Schelomo ist.
(2) Er küsst
mich mit den Küssen seines Mundes; denn deine Liebkosungen sind besser als
Wein.
(3) Sie sind
gut wie der Geruch des Öls. Öl der Reinigung ist dein Name;
deshalb
lieben dich die Mädchen.
(4) Ziehe
mich hinter dir her, wir wollen eilen;
der König
bringt mich in seine Gemächer, wir wollen tanzen und uns über dich freuen;
deine
Geliebten wollen wir mehr preisen als den Wein. Sie lieben dich von Rechts
wegen.
(5) Schwarz
bin ich und schön, ihr Töchter Jeruschalajims;
wie die
Zelte Kedars, wie die Zeltdecken Salmas.
(6) Ihr
sollt mich nicht ansehen, weil ich schwärzlich bin, die Sonne hat mich
verbrannt;
die Söhne
meiner Mutter zürnen mir, sie haben mich zur Wächterin der Weinberge
eingesetzt,
meinen
eigenen Weinberg habe ich nicht bewacht.
(7) Berichte mir, der du die Liebe meines Seele bist, wo
du weidest,
wo du um die Mittagszeit lagerst;
dass ich ja nicht bin wie eine Streunerin bei den Herden
deiner Genossen.
(8) Wenn du es nicht weißt, Schönste unter den Frauen;
Komm zu mir heraus auf den Spuren des Kleinviehs, weide
deine Ziegen
Bei den Lagern der Hirten!
(9)Mit einer Stute an Pharaos Wagen vergleiche ich dich,
meine Freundin.
(10) Lieblich sind dein Wangen zwischen den
Schmuckketten, dein Hals zwischen den Muschelketten.
(11) Ketten aus Gold machen wir für dich, mit Perlen aus
Silber.
(12) Bis zur Tafelrunde des Königs gibt die Narde ihren Duft.
(13) Ein Beutel Myrrhe ist mein Geliebter für mich, es
ruht zwischen meinen Brüsten.
(14) Eine Blüte der Zypernblume ist mein Geliebter für mich, in den Weinbergen von En Gedi.
(15) Sieh, schön bist du, meine Gefährtin, schön sind
deine Augen (wie) Tauben.
(16) Sieh, du bist schön, meine Geliebte, auch lieblich,
auch unser Bett ist saftig grün.
(17) Dachsparren unseres Hauses sind Zedern, unsere Decke
Zypressen.
2.Kapitel
(1) Ich bin eine Meerzwiebel von Scharon, eine Lilie der
Täler.
(2) Wie eine Lilie zwischen den Dornen, so ist meine
Gefährtin zwischen den Töchtern.
(3) Wie ein Apfelbaum zwischen den Bäumen des Waldes, so
ist meine Geliebte zwischen den Söhnen;
seinen Schatten begehre ich, und ich will sitzen, und
seine Frucht ist süß für meinen Gaumen.
(4)Er brachte mich in das Weinhaus, und sein Schild über mir ist Liebe.
(5) Erfrischt mich mit Rosinenkuchen, erquickt mich mit
Äpfeln;
Denn ich bin krank aus Liebe.
(6) Seine Linke ist unter meinem Haupt, und seine Rechte
umarmt mich.
(7) Ich beschwöre euch, Töchter von Jeruschalajim bei den
Gazellen
oder bei den Rehen des Feldes;
dass ihr die Liebe nicht reizt und erregt, bis es ihr
gefällt.
(8) Stimme meines Geliebten, sieh, er kommt;
springend auf die Berge, hüpfend auf die Hügel.
(9) Mein Geliebter gleicht einer Gazelle oder dem Kalb
des Rehs;
sieh, er steht hinter unserer Wand, er blickt durch die
Fenster.
Er schaut durch das Gitter.
(10) Mein Geliebter antwortet und spricht zu mir:
„Auf, meine Gefährtin, meine Schöne, und geh!
(11) Denn sieh, der Winter ist vorübergegangen;
der Regen ist vorüber gezogen, gegangen.
(12) Die Blüten zeigen sich im Lande, die Zeit des
Gesanges ist genaht;
uns der Klang des Reigens wird in unserm Lande gehört.
(13) Am Feigenbaum reift die junge Feige, und die Reben
der Knospenhülle geben Duft;
Auf, geh,
meine Gefährtin, meine Schöne, geh!
(14) Meine Taube ist in den Schlupfwinkeln des Felsens,
im Versteck des Felsensteiges,
Lässt du mich deine Erscheinung sehen, lässt du mich
deine Stimme hören?
Denn deine Stimme ist süß und dein Anblick ist schön.
(15) Greift
die Füchse, die kleinen Füchse, welche die Weinberge verderben;
und zwar unsere Weinberge der Knospenhülle.
(16) Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein, er weidet
in den Lilien.
(17) Wenn der Tag ausatmet und die Schatten länger
werden;
wende ich um, es gleiche dir, mein Geliebter, eine
Gazelle oder das Kalb des Rehs
auf den Bergen von Bater.
3.Kapitel
(1) Auf meinem Nachtlager suchte ich den, der die Liebe
meiner Seele ist;
ich suchte ihn und fand ihn nicht
(2) Ich will doch aufstehen und in der Stadt umhergehen,
auf den Straßen und auf den Plätzen,
ich will den suchen, der die Liebe meiner Seele ist;
ich suche ihn und finde ihn nicht.
(3) Die Wächter fanden mich, die in der Stadt umhergehen;
habt ihr den gesehen, der die Liebe meiner Seele ist?
(4) Ein wenig war ich an ihnen vorüber gegangen, bis ich
den gefunden hatte, der die Liebe meiner Seele ist;
ich ergreife ihn und gebe ihn nicht preis,( bis ich ihn in
das Haus meiner Mutter gebracht habe,
und in das Zimmer meiner Mutter).
(5) Ich beschwöre euch, Töchter von Jeruschalajim, bei
den Gazellen
oder bei den Rehen des Feldes,
dass ihr nicht weckt und dass ihr nicht stört die Liebe,
bis es ihr gefällt.
(6) Wer ist diejenige, die aus der Steppe heraufsteigt
wie Rauchsäulen
aus dem Räucherwerk von Myrrhe und Weihrauch, aus den
Spezereien eines Händlers?
(7) (Sieh, die Sänfte Schelomos) Sechzig Männer umgeben sie
von Jisraels Männern.
(8) Sie alle
haben ein Schwert ergriffen, die des Krieges Erfahrenen;
jeder hat sein Schwert an seiner Hüfte gegen den
Schrecken der Nächte.
(9) Eine Sänfte ließ sich der König Schelomo machen aus
den Hölzern des Lebanon.
(10) Seine Säulen machte er aus Silber, seine Unterlage aus
Gold, seinen Sitz aus Purpur;
sein Inneres ist eingelegte Liebe (von Jeruschalajims Töchtern).
(11) (Jeruschalajims Töchter),
kommt heraus und seht euch satt an König Schelomo;
an dem Kranz, mit dem ihn seine Mutter am Tage seiner
Hochzeit bekränzt hat
und am Tage der Freude seines Herzens.
4. Kapitel
(1)Sieh, meine Gefährtin ist schön, sieh, du bist schön,
deine Augen sind wie Tauben hinter deinem Schleier;
deine Haare sind wie eine Herde von Ziegen, die vom
Gebirge Gilboa herabsteigen.
(2)Deine Zähne sind wie eine Herde von frisch
Geschorenen, die aus der Schwemme heraufsteigen;
von denen jede Zwillinge gebiert, und keine Kinderlose
ist unter ihnen.
(3) Wie ein roter Faden sind deine Lippen und lieblicher
als deine Worte;
und wie die Scheibe eines Granatapfels ist deine Schläfe
hinter dem Schleier.
(4) Dein Hals ist wie ein Turm Davids, aus Steinschichten
erbaut;
tausend Schilde sind daran aufgehängt, lauter Schilde
streitbarer Männer.
(5) Deine beiden Brüste sind wie zwei Rehkitzen,
Zwillinge einer Gazelle;
sie weiden unter Lilien.
(6) Wenn der Tag verweht und die Schatten länger werden;
werde ich zum Berge der Myrrhe und zum Hügel des
Wehrauchs gehen.
(7) Ganz schön bist du, meine Gefährtin, und an dir ist
kein Makel.
(8) Mit mir, Braut vom Lebanon, mit mir sollst du vom
Lebanon kommen;
du sollst schreiten vom Gipfel des Amana, vom Gipfel des
Senir und des Chermon,
vom Aufenthalt der Löwen, von den Bergen der Leoparden.
(9) Du bereitest mir Herzklopfen, meine Schwester, Braut;
du bereitest mir Herzklopfen mit einem deiner Augen mit
einem Schmuckstück deines Halsschmucks.
(10) Wie schön sind deine Brüste, meine Schwester, Braut;
wie viel besser sind deine Brüste als der Wein und der
Duft deines Öls als alle Öle.
(11) Honigseim tropfen deine Lippen, Braut;
Honig und Milch sind unter deiner Zunge, und der Duft
deines Gewandes ist wie der Duft des Lebanon.
(12) Ein verriegelter Garten ist meine Schwester, Braut;
ein verriegelter Brunnen einer versiegelten Quelle.
(13) Dein Schoß ist wie ein Garten von Granatäpfelbäumen
mit köstlichen Früchten;
wie Früchte mit Narde.
(14) Narde und Safran, Rohr und Zimt, mit allen Bäumen
des Lebanon;
Myrrhe und Aloe mit den besten Balsamen.
(15) Die Quelle meines Gartens ist ein Brunnen lebendigen Wassers;
und er fließt vom Lebanon.
(16) Rege dich, Nordwind, und komm, Südwind, lass meinen
Garten duften, fließen sollen seine Balsame;
mein Geliebter soll in seinen Garten kommen und seine
köstlichen Früchte essen.
5. Kapitel
(1)Ich bin in den Garten meiner Schwester, Braut, gekommen, ich habe meine Myrrhe mit
meinem Balsam gepflückt,
ich habe mein Brot mit meinem Honig gegessen, ich habe meinen Wein mit meiner Milch getrunken;
esst, Gefährten, trinkt, berauscht euch an meiner Liebe!
(2) Ich habe geschlafen, und mein Herz hat sich bewegt;
die Stimme meines Geliebten hat angeklopft: „Öffne mir,
meine Schwester, meine Gefährtin, meine Taube, meine Vollkommene!
Denn mein Haupt ist nass vom Tau, meine Locken von den
Tropfen der Nacht.“
(3) „Mein Untergewand habe ich (schon) ausgezogen, soll
ich mich etwa anziehen?
Ich habe meine Füße gewaschen, soll ich sie etwa
beschmutzen?“
(4) Mein Geliebter streckte seine Hand aus der Öffnung,
und mein Inneres brauste ihm entgegen.
(5) Ich stand auf, um meinem Geliebten zu öffnen;
und meine Hände tropften von Myrrhe und meine Finger von
überlaufender Myrrhe,
auf meinen Händen lag der Riegel.
(6) Ich öffnete meinem Geliebten, und mein Geliebter war
hinweg;
meine Seele ging hinaus hinter seinem Rücken, gesucht
habe ich ihn und ihn nicht gefunden,
gerufen habe ich ihn, und er hat mir nicht geantwortet.
(7) Gefunden haben mich die Wächter, die in der Stadt
umhergehen, sie haben mich geschlagen, haben mich verwundet;
sie nahmen meinen Schal weg, der mich umhüllte, die Wächter der Mauern.
(8) Ich beschwöre euch, Töchter von Jeruschalajim:
Wenn ihr meinen Geliebten findet, was werdet ihr ihm
sagen?
Dass ich krank vor Liebe bin.
(9) „Was ist dein Geliebter mehr als ein (anderer)
Geliebter, du Schöne unter den Frauen?
Was ist dein Geliebter mehr als ein (anderer) Geliebter,
dass du uns so beschwörst?“
(10) Mein Geliebter ist glänzend und rot, mehr als eine
Myriade um das Banner Gescharter.
(11) Sein Haupt ist Gold, gediegenes Gold;
Seine Locken sind Dattelrispen, schwarz wie ein Rabe.
(12) Seine Augen sind wie Tauben an Wasserbächen;
mit Milch gewaschen...sitzend
in der Einfassung.
(13) Sein Kinn ist wie ein Beet des Balsamstrauches, das
Gewürzkräuter aufwachsen lässt;
seine Lippen sind Lilien, überfließend von Myrrhe.
(14) Seine Hände sind goldene Walzen, mit Tarschisch gefasst;
Sein Leib ist ein...von
Elfenbein, von Saphiren bedeckt.
(15) Seine Schenkel sind Säulen aus Alabaster, gegründet
auf einem goldenen Sockel;
Sein Anblick ist wie der des Lebanon, erlesen wie eine
Zeder.
(16) Sein Gaumen sind Süßigkeiten, und er ist ganz Anmut;
Dies ist mein Geliebter, und dies ist mein Gefährte,
Töchter von Jeruschalajim.
6. Kapitel
(1)Wohin ist dein Geliebter gegangen, Schöne unter den
Frauen?
Wohin hat sich dein Geliebter gewendet, und wir wollen
ihn mit dir suchen.
(2) Mein Geliebter ist in seinen Garten hinabgegangen zu
den Beeten des Balsamstrauches;
um in den Gärten zu weiden und Lilien zu pflücken.
(3) Ich bin meines Geliebten, und mein Geliebter ist
mein, er erfreut sich an den
Lilien.
(4) Schön bist du, meine Gefährtin wie Thirza,
lieblich wie Jeruschalajim;
schrecklich wie...
(5) Wende deine Augen von mir, die mich verwirren;
deine Haare sind wie eine Herde Ziegen, die von Gilead
herbsteigen.
(6)Deine Zähne sind wie eine Herde von Mutterschafen, die
aus der Schwemme heraufsteigen;
von denen jede Zwillinge gebiert, und keine Kinderlose
ist unter ihnen.
(7) Wie die Scheibe eines Granatapfels ist deine Schläfe
hinter dem Schleier.
(8) Es sind sechzig Königinnen und achtzig Konkubinen;
und Mädchen gibt es ohne Zahl.
(9) Sie ist einzig, meine Taube, meine Vollkommene,
einzig ist sie für ihre Mutter,
rein ist sie für diejenige, welche sie geboren hat;
Töchter haben sie gesehen und gepriesen, Königinnen und
Konkubinen haben sie gelobt.
(10) Wer ist sie, die herabschaut wie die Morgenröte?
Schön wie der Vollmond, rein wie die Sonne, schrecklich
wie...
(11) In den Nussgarten bin ich hinabgegangen, um nach den
Knospen des Bachtals zu sehen;
um die Sprossen der Reben zu sehen, die Granatäpfelbäume
blühten.
(12) Ich kenne meine Seele nicht, sie setzt mich auf den
Wagen des Ami-Nadib.
7.Kapitel
(1) Wende dich um, wende dich um, Schulamith, wende dich
um wende dich um, und wir wollen dich anschauen;
Was wollt ihr an Schulamith sehen wie beim doppelten
Reigentanz?
(2)Wie schön sind deine Schritte in den Sandalen, du
Fürstentochter;
die Wendungen deiner Hüften sind wie Schmuckstücke, das
Werk von Künstlerhänden.
(3) Dein Schoß ist ein rundes Becken, es soll ihm nicht
an Mischwein fehlen;
dein Leib ist ein Haufen Weizen, von Lilien umgeben.
(4) Deine beiden Brüste sind wie zwei Rehkitzen,
Zwillinge einer Gazelle.
(5) Dein Hals ist wie ein Turm aus Elfenbein;
deine Augen die Teiche in Chesbon am Tor von Bat-Rabbim
deine Nase wie der Lebanon-Turm,
der nach Dammaschek blickt.
(6) Dein Haupt auf dir ist wie der Karmel, und das offene
Haar deines Hauptes ist wie Purpur;
...
(7) Wie schön und wie lieblich, Geliebte, Tochter der
Wonnen.
(8) Dieser dein Wuchs gleicht einer Dattelpalme und deine
Brüste einer Traube.
(9) Ich sage: „Ich will zur Palme hinaufsteigen, ich will
die Dattelrispe ergreifen;
und es werden doch deine Brüste sein wie Trauben eines
Weinstocks und der Duft deiner Nase wie der eines Apfelbaums.
(10) Und dein Mund ist wie ein guter Wein, der mir glatt
eingeht;
der die Lippen beträufelt ...
(11) Ich bin für meinen Geliebten, und sein Verlangen
geht auf mich.
(12) Komm, mein Geliebter, wir gehen auf fad Feld und
legen uns in die Zypernblumen.
(13) Wir wollen früh zu den Weinbergen aufbrechen, wir
wollen sehen, ob der Weinstock sprosst, die Knospenhülle öffnet, die
Granatäpfel blühen;
dort gebe ich dir meine Liebe.
(14) Alraunen geben Duft, und an unserer Tür ist alles
Köstliche, Neues und Altes;
dir, mein Geliebter habe ich sie verborgen.
8. Kapitel
(1)Wer macht dich mir zum Bruder, gesäugt an den Brüsten
meiner Mutter?
Hätte ich dich draußen gefunden, dann hätte ich dich
geküsst, man würde mich auch nicht verachten.
(2) Ich führte dich, ich brächte dich in das Haus meiner
Mutter, sie hat mich gelehrt;
Ich ließ dich Würzwein trinken vom Most des Granatapfels.
(3) Seine Linke läge unter meinem Haupt, und seine Rechte
umarmte mich.
(4) Ich beschwöre euch, Töchter von Jeruschalajim:
Was wollt ihr die Liebe erregen und aufreizen bis es ihr
gefällt?
(5) Wer ist die, welche aus der Steppe heraufsteigt,
gestützt auf ihren Geliebten?
Unter dem Apfelbaum würde ich dich erregen, wo deine
Mutter mit dir schwanger geworden ist,
wo deine Mutter mit dir schwanger geworden ist, sie dich
gebar.
(6) Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein
Siegel auf deinen Arm,
denn hart wie der Tod ist die Liebe, hart wie die
Unterwelt die Leidenschaft;
ihre Flammen sind Feuersgluten, Flammen Jahwes.
(7) Viele Wasser vermögen nicht die Liebe auszulöschen,
und Ströme schwemmen sie nicht weg;
Würde jemand den ganzen Besitz seines Hauses für die
Liebe weggeben, man würde ihn verachten.
(8) Wir haben eine kleine Schwester, und sie hat keine
Brüste;
was sollen wir mit unserer Schwester machen an dem Tage,
an dem man um sie werben wird?
(9) Wenn sie eine Mauer wäre, dann würden wir auf ihr
einen Aufsatz aus Silber bauen;
und wenn sie eine Tür wäre, dann würden wir sie bewachen
mit einem Brett aus Zedernholz.
(10) Ich bin eine Mauer, und meine Brüste sind wie Türme;
dann bin ich in euren Augen wie eine, die Frieden gefunden hat.
(11) Einen Weinberg hat Schelomo in Baal-Hamon,
er hat den Weinberg den Bewachern gegeben;
für seine Frucht brachte jeder tausend Silberlinge.
(12) Mein Weinberg ist mein;
die tausend sollen für dich sein, Schelomo, und
zweihundert für die, welche seine Früchte bewachen.
(13) Du, die sich in den Gärten aufhält, andere vernehmen deine Stimme, lass mich hören!
(14) Flieh, mein Geliebter, und es gleiche dir eine
Gazelle oder ein Damhirsch auf den Bergen der Balsamsträucher!