Dr. Hans Jochen Genthe
* 27.7.1927 + 5.8.2020

Dieses ist ein öffentliches Kondolenz-Buch, zu dem alle eingeladen sind, Person und Werk des am 5.8.2020 Verstorbenen zu würdigen und ein paar persönliche Worte zu hinterlassen.
Lieber Hans-Albert,
aus der Kirchenzeitung habe ich am Wochenende erfahren, dass dein Vater bereits am 5. August gestorben ist und der Trauergottesdienst am 13. August in der Predigerkirche stattfand. Mein herzliches Beileid zum Ableben deines Vaters. Sicher, er ist alt geworden, aber beim eigenen Vater spielt das Alter keine Rolle, traurig bleibt ein solcher Verlust trotzdem.
Zumal er ja eine prägende Persönlichkeit war, mit viel Verständnis für die Andersartigkeit unserer Generation. Ich habe jedenfalls nicht gehört, dass er sich jemals über deine langen Haare beschwert hätte, wie ich das von meinen Eltern kannte.
Vor allem war er aber der Institution Kirche gegenüber konsequent in seinen Überzeugungen und niemals ein Pfarrer, der sich im Erledigen des Pfarramtsalltages genügt hätte. Genauso konsequent und darüber hinaus mutig war er ebenso den Institutionen und Vertretern des „real existierenden Sozialismus“ gegenüber und hat uns bei manchem konspirativen und ggf. staatsfeindlichen Handeln unterstützt. So hat er z. B. unsere Samisdat-Unterlagen zur Biermann-Ausweisung aufbewahrt, um diese im Falle unserer Verhaftung gen Westen zu schmuggeln. Ende der 80er Jahre hatte ich das beinahe vergessen, bis ich Anfang 1990 einen Brief von ihm erhielt, ich könne nun getrost meine schwarze Umhängetasche wieder abholen, die bis dahin in einem Versteck auf dem Boden seines Pfarrhauses gelegen hatte. Es wäre ja nun nicht mehr davon auszugehen, dass vom Besitz solcher bis vor kurzem noch brisanten Unterlagen für die Verfasser irgendeine Gefahr ausgehen würde.
Solche Leute wie deinen Vater hätten wir in der DDR mehr gebrauchen können und brauchen sie heute noch. Ich bin jedenfalls froh, dass ich ihn kennenlernen durfte und freue mich immer noch, dass ich vor 10 Jahren in sein gemeinsam mit dir herausgegebenes Lutherweg-Büchlein ein Nachwort schreiben durfte.
Dir und deiner Familie alle guten Wünsche von deinem (alten Studienfreund)
Lothar
aus der Kirchenzeitung habe ich am Wochenende erfahren, dass dein Vater bereits am 5. August gestorben ist und der Trauergottesdienst am 13. August in der Predigerkirche stattfand. Mein herzliches Beileid zum Ableben deines Vaters. Sicher, er ist alt geworden, aber beim eigenen Vater spielt das Alter keine Rolle, traurig bleibt ein solcher Verlust trotzdem.
Zumal er ja eine prägende Persönlichkeit war, mit viel Verständnis für die Andersartigkeit unserer Generation. Ich habe jedenfalls nicht gehört, dass er sich jemals über deine langen Haare beschwert hätte, wie ich das von meinen Eltern kannte.
Vor allem war er aber der Institution Kirche gegenüber konsequent in seinen Überzeugungen und niemals ein Pfarrer, der sich im Erledigen des Pfarramtsalltages genügt hätte. Genauso konsequent und darüber hinaus mutig war er ebenso den Institutionen und Vertretern des „real existierenden Sozialismus“ gegenüber und hat uns bei manchem konspirativen und ggf. staatsfeindlichen Handeln unterstützt. So hat er z. B. unsere Samisdat-Unterlagen zur Biermann-Ausweisung aufbewahrt, um diese im Falle unserer Verhaftung gen Westen zu schmuggeln. Ende der 80er Jahre hatte ich das beinahe vergessen, bis ich Anfang 1990 einen Brief von ihm erhielt, ich könne nun getrost meine schwarze Umhängetasche wieder abholen, die bis dahin in einem Versteck auf dem Boden seines Pfarrhauses gelegen hatte. Es wäre ja nun nicht mehr davon auszugehen, dass vom Besitz solcher bis vor kurzem noch brisanten Unterlagen für die Verfasser irgendeine Gefahr ausgehen würde.
Solche Leute wie deinen Vater hätten wir in der DDR mehr gebrauchen können und brauchen sie heute noch. Ich bin jedenfalls froh, dass ich ihn kennenlernen durfte und freue mich immer noch, dass ich vor 10 Jahren in sein gemeinsam mit dir herausgegebenes Lutherweg-Büchlein ein Nachwort schreiben durfte.
Dir und deiner Familie alle guten Wünsche von deinem (alten Studienfreund)
Lothar