Dr. Hans Jochen Genthe
* 27.7.1927 + 5.8.2020

Dr. Hans Jochen Genthe

Dieses ist ein öffentliches Kondolenz-Buch, zu dem alle eingeladen sind, Person und Werk des Verstorbenen zu würdigen und ein paar persönliche Worte zu hinterlassen.

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32 Einträge
Lothar Tautz Lothar Tautz aus Berlin schrieb am 18/10/2020:
Lieber Hans-Albert,

aus der Kirchenzeitung habe ich am Wochenende erfahren, dass dein Vater bereits am 5. August gestorben ist und der Trauergottesdienst am 13. August in der Predigerkirche stattfand. Mein herzliches Beileid zum Ableben deines Vaters. Sicher, er ist alt geworden, aber beim eigenen Vater spielt das Alter keine Rolle, traurig bleibt ein solcher Verlust trotzdem.

Zumal er ja eine prägende Persönlichkeit war, mit viel Verständnis für die Andersartigkeit unserer Generation. Ich habe jedenfalls nicht gehört, dass er sich jemals über deine langen Haare beschwert hätte, wie ich das von meinen Eltern kannte.

Vor allem war er aber der Institution Kirche gegenüber konsequent in seinen Überzeugungen und niemals ein Pfarrer, der sich im Erledigen des Pfarramtsalltages genügt hätte. Genauso konsequent und darüber hinaus mutig war er ebenso den Institutionen und Vertretern des „real existierenden Sozialismus“ gegenüber und hat uns bei manchem konspirativen und ggf. staatsfeindlichen Handeln unterstützt. So hat er z. B. unsere Samisdat-Unterlagen zur Biermann-Ausweisung aufbewahrt, um diese im Falle unserer Verhaftung gen Westen zu schmuggeln. Ende der 80er Jahre hatte ich das beinahe vergessen, bis ich Anfang 1990 einen Brief von ihm erhielt, ich könne nun getrost meine schwarze Umhängetasche wieder abholen, die bis dahin in einem Versteck auf dem Boden seines Pfarrhauses gelegen hatte. Es wäre ja nun nicht mehr davon auszugehen, dass vom Besitz solcher bis vor kurzem noch brisanten Unterlagen für die Verfasser irgendeine Gefahr ausgehen würde.

Solche Leute wie deinen Vater hätten wir in der DDR mehr gebrauchen können und brauchen sie heute noch. Ich bin jedenfalls froh, dass ich ihn kennenlernen durfte und freue mich immer noch, dass ich vor 10 Jahren in sein gemeinsam mit dir herausgegebenes Lutherweg-Büchlein ein Nachwort schreiben durfte.


Dir und deiner Familie alle guten Wünsche von deinem (alten Studienfreund)
Lothar
Matthias Ullrich Matthias Ullrich aus Gladenbach, Hessen schrieb am 07/09/2020:
Lieber Hans,
meine herzliche Anteilnahe spreche ich Dir auf diesem Wege aus. Ich habe über die Jahre das enge und gute Verhältnis zu Deinem Vater in vielen Gesprächen und Erwähnungen mitbekommen. So ist es ausgerechnet der Schmerz, der uns die Liebe spüren lässt uns als Erinnerung am Ende in Glück verwandelt, dass wir gemeinsam da waren und gelebt haben.

Ein wunderbares Gedicht von Benoit Marcon kam mir in den Sinn.
"Jemand stirbt
und das ist
wie wenn Schritte verstummen.
Aber wenn es ein kurzer Aufenthalt
vor einer neuen Reise wäre?

Jemand stirbt
und das ist
wie wenn eine Tür zuschlägt.
Aber wenn es ein Tor wäre
und dahinter andere Landschaften sich auftun?
Jemand stirbt
das ist
wie wenn ein Baum zur Erde stürzt.
Aber wenn es ein Samen wäre
der in einer andern Erde keimt?

Jemand stirbt
und das ist vielleicht
wie wenn in der Stille plötzlich eine Orgel einsetzt
und die verstummte kleine Melodie eines Menschenlebens
mit allen Registern neu spielt ..."

Herzliche Anteilnahme
Matthias Ullrich
Augusta-Viktoria-Stift Augusta-Viktoria-Stift aus Erfurt schrieb am 02/09/2020:
Pfarrer i.R. Dr. Hans-Jochen Genthe war als Pfarrer der Evangelischen Kaufmannsgemeinde Mitglied im Kuratorium des Augusta-Viktoria-Stiftes. Seine Mitarbeit im Vorstand des Kuratoriums war geprägt von seinem theologischen Sachverstand und der seelsorgerlichen Begleitung der Mitarbeitenden und der Senioren und Seniorinnen im Haus. Wir danken ihm für sein segensreiches Wirken im Zeitraum vom 20.7.1964 bis zum 7.4.1994.

Ihnen, liebe Angehörige, möchten wir unser Mitgefühl aussprechen.

Im Namen von Alt und Jung im Augusta-Viktoria-Stift

Birgit-Luise Bürger, Ehrenmitglied im Kuratorium
Thomas Dewor, Vorstand
Johannes Lösch Johannes Lösch aus Alsbach schrieb am 01/09/2020:
Liebe Trauerfamilie,
ich wünsche euch und Ihnen alles Gute und Gottes Segen in dieser Zeit des Abschieds. Sicher werden Dankbarkeit für das Vergangene und der Zusammenhalt in der Familie, der Ihrem Vater wichtig war, auch Ihnen Mut für und Freude auf die Zukunft machen.
Reinhold Vierkant Reinhold Vierkant aus Erfurt schrieb am 01/09/2020:
Meine Erinnerungen an ihn begannen am 07.09.1960.
Ich war zum Mähdrescheinsatz in Dörna und habe dort zufällig einen Hochzeitszug auf der Straße gefilmt. Im Hintergrund stand ein Pfarrer. Was ich nicht wusste, dieser Mann wurde später unser Pfarrer.
Ein intensiverer Kontakt entstand, als er 1967 zur Kirschenzeit bei uns zu Hause war und meine Frau angeworben hat, die Rendantenarbeit im Büro der Kaufmannsgemeinde in der Kaufmännerstraße 76 zu übernehmen.
Als Prediger verstand er es, Gottes Wort aussagekräftig und lebensnah zu lehren.
Der Männerkreis, welcher einmal im Monat stattfand, war immer gut besucht und beinhaltete viele hilfreiche Anregungen für das christliche Alltagsleben. Auch Mütterkreise und sonstige Kreise waren uns wichtig und wertvoll.
Erwähnenswert ist auch der freundschaftliche Austausch zwischen unserer Gemeinde und der Gemeinde Wetzlar und Braunfels.

Meine 7 Kinder wurden durch seine umfangreiche Kinder- und Jugendarbeit sehr christlich geprägt, zum Teil von ihm getauft und fast alle von ihm konfirmiert.
Ebenso schön und gemeinschaftsfördernd waren die großen Gemeindeausflüge und Wanderungen (z. B. nach Molsdorf, Bad Kösen, Bad Sulza). Für Groß und Klein, Alt und Jung, vom Baby bis zum Opa mit Stock war es möglich, dabei zu sein. Pfarrer Genthe war immer mittendrin und froh gelaunt. An die Weihnachtsfeste mit den schönen Krippenspielen und Ostern im Pfarrgarten, wo die Ostereiersuche zur tollen Tradition wurde, erinnere ich mich gern.

In der DDR-Zeit war die Instandhaltung der kirchlichen Gebäude eine große Herausforderung für unsere Pastoren, so nahm auch Pfarrer Genthe gern die vielen ehrenamtlichen Hilfen und Ideen an. Als meine Frau als Rendantin der Gemeinde zu ihm sagte: „Ich möchte nicht mehr das Taufwasser in Flaschen zur Kirche tragen.“, wurde mit großem Aufwand und mit den damaligen einfachen Mitteln die Wasserleitung in die Kirche gelegt. So auch die jährliche Taubenmistaktion der Jungen Gemeinde, dabei bekamen die oberen Turmfenster Schutzgitter. Weiter ging es mit der Bankheizung in der Kaufmannskirche.
Wer das Gemeindehaus in der Röntgenstraße kennt, weiß, wie viel Baupotenzial auch dort von Nöten war.
Ein großes Anliegen war ihm die Umgestaltung des Kirchsaals am Ludolfweg. Seine Idee und sein Entwurf war ein neuer Altar, ein Kreuz, ein Lesepult und ein Taufstein. Dies wurde mit viel Mühe und vielen fachkundigen und begabten Gemeindegliedern Realität. Kunstschmied Griese gestaltete es künstlerisch.

Wenn es in Einwohnerversammlungen um politische Themen ging, war Pfarrer Genthe sehr aktiv bestrebt, sie im Sinne unseres christlichen Glaubens und zum Wohle der Kaufmannsgemeinde zu vertreten.
Trotzdem arbeitete er auch fleißig beim Arbeitseinsatz der nationalen Front im Wohnviertel mit, sehr zur Verwunderung der Genossen.
Ich habe ihn bewundert mit wie viel Diplomatie, Standhaftigkeit und Durchsetzungsvermögen er gegen politische Ungerechtigkeiten vorging.

Ich danke Pfarrer Dr. Hans Jochen Genthe für all seine Investitionen in mein Leben und das unserer Gemeinde.

In dankbarer Erinnerung
Reinhold Vierkant