Dr. Hans Jochen Genthe
* 27.7.1927 + 5.8.2020

Dr. Hans Jochen Genthe

Dieses ist ein öffentliches Kondolenz-Buch, zu dem alle eingeladen sind, Person und Werk des am 5.8.2020 Verstorbenen zu würdigen und ein paar persönliche Worte zu hinterlassen.

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32 Einträge
Hannelore und Jürgen Witthauer Hannelore und Jürgen Witthauer aus Erfurt schrieb am 09/08/2020:
Lieber Hans Genthe,
es ist schmerzlich, einen Menschen verlieren zu müssen, aber es ist tröstlich, auf ein so erfülltes Leben zurückblicken zu dürfen. Wir trauern aufrichtig mit Ihnen. Seit über 50 Jahren waren wir mit Hans Jochen Genthe verbunden. Uns steht es nicht zu, die ganze Fülle seines Schaffens darzulegen, aber die persönliche Erinnerung möge ein Mosaikstein dabei sein. Und es gibt viel zu erinnern. Als Gemeinde-pfarrer und Wissenschaftler hat er die Gemeinde geprägt und sein reiches überragendes biblisches Wissen in die Gemeinde getragen – in den sonntäglichen Predigten, in den Gemeindekreisen, bei den Vorbereitungswochenenden für die jährliche Bibelwoche, in den zahlreichen Veröffentlichungen, - wissenschaftlich fundiert, aber stets verständlich für den Einzelnen. Wir erinnern uns mit Freuden an die Treffen mit der Partnergemeinde, an die von ihm initiierten Weiterbildungsveranstaltungen in der Gemeinde, an die fröhlichen Feiern und ernsten Gespräche, an die zahlreichen Abende zur Vorbereitung der Publikation „Die Evangelischen Kirchen in Erfurt“ und und und.
Seine Tätigkeit in der Gemeinde war untrennbar verbunden mit der Arbeit seiner Frau Elisabeth, die als Katechetin immenses bei der Arbeit mit Kindern geleistet hat. Kinderbibeltage, Ostermontagsgottesdienste, Krippenspiel, Flötenkreise seien nur als ausgewählte Stichworte erwähnt. Wenn Hans Jochen Genthe den Konfirmanden allzuviel abverlangte, so schuf sie in ihrer ruhigen Art den nötigen Ausgleich.
Seine organisatorischen und handwerklichen Fähigkeiten waren begrenzt und er hat auch keinen Hehl daraus gemacht. Aber er konnte sich hierbei voll und ganz auf die Gemeinde verlassen. „Wenn ich die Kaufmänner für eine Aufgabe in der Gemeinde rief, dann kamen sie“ pflegte er zu sagen. Und er hat diese Hilfen dankbar angenommen.
Hans Jochen Genthe hat uns geprägt und wir werden ihn in dankbarer Erinnerung behalten.
Hannelore und Jürgen Witthauer.
Aribert Rothe Aribert Rothe aus Erfurt schrieb am 09/08/2020:
Exzellenter Erfurter Erwachsenenbildner
Zum Tod von Hans Jochen Genthe

Kurz nach seinem 93. Geburtstag ist Dr. Hans Jochen Genthe am 5 August in Erfurt verstorben. Hierher war er vor einigen Jahren zurückgekehrt, nachdem er seinen aktiven Ruhestand zunächst in Eschwege verbracht hatte.
1927 in Mühlhausen / Thüringen geboren, war er als Soldat der Luftwaffennachrichtentruppe 1943 in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten, machte 1946 Abitur und studierte Evangelische Theologie in Bethel und Berlin.
Seit 1962 Pfarrer an der Erfurter Kaufmannskirche, hatte er 1969 die anspruchsvolle Reihe seiner Gemeindeseminare begründet. Sachkundig referierte er biblische, kunstgeschichtliche und kirchensoziologische Themen. Sie wechselten bunt. War beispielsweise gerade noch ein Kurs über die italienische Hochrenaissance gelaufen, ging es kurz darauf bereits um “Thomas Müntzers subversives Christentum”. Unzensierte Bildung geschah damals unter argwöhnischer Beobachtung der Staatsorgane. Der geistige Hunger, einmal geweckt, war groß, und Genthe kriegte man nicht satt. Freilich (eines seiner Lieblingsworte) hat er seinem dankbaren Publikum nie Schonkost verabreicht, sondern ironisch gewürzte Portionen im „jepfleechten“ Mühlhäuser Dialekt. Er nahm die Menschen als mündige ernst, bemühte sich um klare Gedankenführung, deutliche Rede und kluge Wiederholungen. Dabei hat er drastisch zugespitzte Urteile nie gescheut. Später stellte er auch eingehend Islam und Buddhismus dar. Als Pensionär setzte er seine Tätigkeit nicht nur an der Eschweger Volkshochschule fort. Das kam nach wie vor auch Erfurter Interessierten in der Evangelischen Stadtakademie "Meister Eckhart" zugute. Ein Gewinn war es, ihn als Kundigen bei Bildungsreisen dabei zu haben.
1970 promoviert, war Genthe auch Dozent für Neues Testament an der Evangelischen Predigerschule im Augustinerkloster. Er hat nicht nur regelmäßig in Zeitschriften veröffentlicht, sondern ist auch als Autor neutestamentlicher und kirchengeschichtlicher Publikationen bekannt geworden. Zu nennen sind vor allem zwei Bücher, die Grundlegendes wissenschaftlich fundiert und verständlich weitergeben: seine kleine Geschichte der neutestamentlichen Wissenschaft „Mit den Augen der Forschung“ (1976) und sein Luther-Buch (1996). In den letzten Jahren arbeitete er an einer neuen Bibelübersetzung, die sehr nah am Originaltext bleibt und Hintergrundinformationen anbietet. Er konnte sie nicht mehr völlig abschließen, sie ist aber unter www.bibelbuch.de online zugänglich.
Hans Jochen Genthe beteiligte sich auch aktiv an der Friedlichen Revolution. So war aus seiner regulären Wochenschlussandacht in der Kaufmannskirche der berühmte Klagegottesdienst am 7. Oktober 1989 anlässlich des 40. Jahrestages der DDR geworden, der trotz martialischer Bewachung wegen des Andrangs zweimal stattfinden musste. Demokratie in Gesellschaft und Kirche war ihm ein Herzensanliegen. Er hat es gern weiter gegeben.
Lisa Neuhaus Lisa Neuhaus aus Frankfurt am Main schrieb am 09/08/2020:
Durch einen Besuch zusammen mit meiner Kollegin Gerlinde Hühn war ich Anfang der 80er bei Genthes in Erfurt und habe durch die beiden Genthes - vor der Wende - die Kirchen und die anderen Schönheiten der Stadt gezeigt bekommen. Und wunderbare Gastfreundschaft genossen! Großzügigste Gastfreundschaft und endlose lebendige Tischgespräche zur Bibel und mit Gott/Göttin und der Welt: das wäre mein wunsch für Hans-Joachim Genthe. Und Trost für Sie, lieber Kollege Genthe!
Dr. Helmut Jung Dr. Helmut Jung aus Erfurt schrieb am 08/08/2020:
Mit Dr. Hans Jochen Genthe habe ich während seiner gesamten langjährigen pfarramtlichen Tätigkeit in der Erfurter Kaufmannsgemeinde, beginnend mit seiner Vorstellungspredigt am 25. März 1962, über seinen Einführungsgottesdienst durch Senior Mebus, gemeinsam mit Pfarrvikarin Winkler, am 2. September 1962 in einer freundschaftlichen Beziehung gestanden. Der Schwerpunkt seiner Arbeit in der Kaufmannsgemeinde war es, das Bibelverständnis der Gemeindeglieder zu entwickeln. Man kann Glaubensinhalte nur dann weitersagen, wenn man über ein fundiertes Wissen bezüglich der Grundlagen des Glaubens verfügt. So war es eines seiner Herzensanliegen, die alljährliche Bibelwoche im Team vorzubereiten und zu gestalten. Dort habe ich als theologischer Laie von Anfang an mitgearbeitet und durch ihn einen unschätzbaren Reichtum an theologischem Wissen erworben. Meine Frau Heidrun und ich wünschen Hans Jochen Genthe die himmlische Freude im Reich Gottes.
Gerlinde Hühn Gerlinde Hühn aus Geislingen schrieb am 08/08/2020:
Im Jahre 1978 kamen Hans-Jochen und sein Kollege nach Wuppertal. Mein damaliger Chef, Prof. Möller gab mir den Auftrag, mich um die beiden zu kümmern. Das tat ich und führte sie durchs bergische Land und die Umgebung von Wuppertal. Danach besuchte ich Genthes seit 1979 jedes Jahr. Ich wurde immer sehr nett beherbergt und lernte ganz Thüringen kennen. Wir waren ziemlich eng befreundet. Ich denke voller Anteilnahme seinen Sohn. Und ich denke an all die schönen Erlebnisse mit Hans Jochen zurück.
Gerlinde Hühn